VI italienische und spanische Barockmalerei

 

Nicola Malinconico
(Neapel?, um 1663 - 1721 Neapel)

Prunkstilleben, um 1690
Öl/Leinwand, 206 x 170 cm, Inv.Nr. 349

 

Allzu leicht vergißt der heutige Besucher eines Museums alter Kunst, daß er es bei einer Sammlung in ihrer Gesamtheit mit einem Dokument des Kunstgeschmacks eines individuellen Sammlers zu tun hat: In der Akademiegalerie war dies Graf Lamberg. Zeichen seines Geschmacks ist die Dominanz der niederländischen Schulen in der Akademiegalerie, die Bilder sind durchgehend im Kabinettformat gehalten. Allein bei Gemälden italienischer, besonders neapolitanischer Barockmaler griff Graf Lamberg zum Großformat:
Nicola Malinconicos sowohl in Hinblick auf Illusion wie auf Malstil "saftiges" Prunkstilleben sollte man sich integriert im barocken Dekorationssystem eines Fest- oder Bankettsaales eines Palazzo vorstellen, wo zwischen Lüstern und Spiegeln die Malerei magisch hervorleuchtet.

Der Sevillaner Murillo dagegen war einer der ersten Künstler, der Manifestationen der Armut, in seiner Heimatstadt zu seinen Bildthemen machte: Streunende und bettelnde Kinder. Murillo merkt ihre Zerlumptheit jedoch nicht kritisch an, sondern verwandelt seine Straßenjungen Sevillas in malerische Volkstypen, deren Bilder beim Sammlerpublikum außerhalb Spaniens großen Erfolg hatten.

 

Bartolomé Esteban Murillo
(Sevilla 1618 - 1682 Sevilla)

Zwei Jungen, Würfel spielend, zwischen 1670 und 1675
Öl/Leinwand, 148 x 114 cm, Inv.Nr. 515