Ausstellung

2019


Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
zu Gast im Theatermuseum

4. Oktober 2019 bis 12. Jänner 2020


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    Joseph Anton Kochs Zeichnungen zu den Gesängen des Inferno aus Dantes Göttlicher Komödie

    Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien
    zu Gast im Theatermuseum

    4. Oktober 2019 bis 12. Jänner 2020
    Eröffnung: 3. Oktober 2019, 19 Uhr

    Joseph Anton Koch (Obergiblen / Tirol 1768 –1839 Rom), der künstlerisch an der Schwelle vom Klassizismus zur Romantik stand, zählte zu den bedeutendsten Landschaftsmalern seiner Zeit und verband oft Naturdarstellungen mit Szenen aus der antiken Mythologie oder der biblischen Geschichte. Der Künstler lebte über Jahrzehnte in Rom und wurde dort zum Mentor vieler junger deutscher Künstler im Kreis der Nazarener, aber auch darüber hinaus.

    Das Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien besitzt einen der größten Bestände an Zeichnungen von Koch, die bis auf wenige Ausnahmen als geschlossenes Konvolut aus dem Nach- lass des Künstlers 1865 in die Sammlung gelangten. Nachdem die Akademie zuletzt 2011 eine Auswahl aus Kochs Schaffen zeigte, legt diese Sonderausstellung nun den Fokus auf die Zeichnungen zu den Gesängen des Inferno aus Dantes Göttlicher Komödie. Von Koch sind 210 Illustrationen aus den Jahren 1801 bis 1813 überliefert, die zu einem gescheiterten Buchprojekt gehören. 55 von ihnen befinden sich im Kupferstichkabinett der Akademie. Dabei stammen insgesamt 43 Werke gänzlich von der Hand Kochs, die restlichen Zeichnungen wurden von seinem Schwiegersohn Johann Michael Wittmer überarbeitet oder nach Koch’schen Entwürfen von diesem gezeichnet. In vier großen Wandbildern für die Villa Massimo in Rom fasste Koch 1825/26 noch einmal seine Beschäftigung mit Dante zusammen und schuf je zwei Darstellungen zum Inferno und zum Purgatorio. Für diese Fresken befinden sich Vorstudien im Bestand, eine von ihnen ist in der Ausstellung zu sehen. Koch ließ sich von Giotto, Signorelli und Michelangelo ebenso inspirieren wie von Albrecht Dürer. In seinen Dante-Zeichnungen lassen sich auch Bezüge zu Hieronymus Boschs Weltgerichts-Triptychon herstellen.

    Der Künstler war einer der profundesten Kenner der Divina Commedia und konnte weite Passagen auswendig zitieren. Dante Alighieri (Florenz 1265 –1321 Ravenna) verfasste sein Versepos, das sich in Inferno (Hölle), Purgatorio (Fegefeuer) und Paradiso (Paradies) gliedert, um 1307 bis um 1320. Es gilt heute als italienisches Nationalepos und gehört zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur. Bis heute reizt es Künstler und Künstlerinnen, sich mit Dantes Reise an der Seite des römischen Dichters Vergil durch die neun Kreise der Hölle und durch das Fegefeuer auseinanderzusetzen. In das Paradies wird Dante von Matelda begleitet und begegnet dort seiner Geliebten Beatrice wieder. Joseph Anton Koch widmete sich fast ausschließlich Szenen aus Inferno und Purgatorio. Erste Entwürfe stammen aus der Zeit um 1801/02, die meisten Arbeiten entstanden um 1803.

    Die Ausstellung präsentiert eine Auswahl an 20 Zeichnungen, die Szenen aus verschiedenen Gesängen des Inferno in dem für Koch typischen impulsiven Federstrich zeigen. Es handelt sich nicht um vollendete Illustrationsvorlagen, sondern um Studien und Entwürfe. Zu den jeweiligen Motiven existieren oft mehrere Versionen, die sich auch in anderen Sammlungen befinden. Ein Blatt von Johann Michael Wittmer verdeutlicht, wie gänzlich verschieden der Stil seiner Zeichnungen von dem des Schwiegervaters ist. Während Wittmer sehr akkurat zeichnet, geht es Koch um die Komposition der Figurengruppen; oft handelt es sich auch um Szenen aus mehreren Gesängen, die der Künstler in einer Zeichnung vereint. Seine Darstellungen sind dynamisch und voll dramatischen Ausdrucks.

    Der Dante-Kenner Ludwig Volkmann würdigte 1897 Kochs Zeichnungen: »Man weiß nicht, was man mehr bewundern soll – die Intensität, mit welcher der Deutsche die italienische Dichtung in sich aufnahm und künstlerisch verwertete, oder die Mannigfaltigkeit der Ausdrucksmittel, die er dem einen Stoff dienstbar machte.«

    Begleitprogramm

    Dantes Göttliche Komödie
    Ein Abend mit Therese Affolter, Arnold Mettnitzer und Edgar Unterkirchner

    Montag, 4. November 2019, 19 Uhr

    Therese Affolter, die unter anderem 1988 am Burgtheater das Hausmädchen Herta in der Uraufführung von Thomas Bernhards Heldenplatz oder 1998 die Mutter Courage in der Inszenierung von Konstanze Lauterbach verkörperte, liest am 4. November 2019 aus Dantes Werk. Dazu spricht Arnold Mettnitzer, Autor, Theologe und Psychotherapeut, über den italienischen Dichter und Philosophen und dessen zu Beginn des 14. Jahrhunderts geschriebenes Versepos. Edgar Unterkirchner, freischaffender Musiker und Komponist, improvisiert am Saxophon.

    www.mettnitzer.at
    www.edgarunterkirchner.com


    Anmeldung erforderlich unter +43 (0)1 58816 2201 oder gemaeldegalerie_anmeldung@akbild.ac.at

    Tickets zu 25 € / 15 € für Studierende an der Museumskassa oder online unter www.akademiegalerie.at sowie www.reservix.at

    Freie Platzwahl! Dauer ca. 1,5 Stunden

    Konstruktion und Passion.
    Joseph Anton Kochs Zeichnungen zu Dantes Göttlicher Komödie
    Vortrag im Rahmen des »Wochenendes der Graphik« mit Maren Gröning, Kunsthistorikerin

    Samstag, 9. November 2019, 17 Uhr

    Joseph Anton Kochs langjährige Auseinandersetzung mit dem Versepos Dante Alighieris zeigt exemplarisch die grundsätzlich neue Situation, in der ein Künstler des Zeitalters der Aufklärung und der Revolution um 1800 in Europa produzierte. Maren Gröning, Kuratorin für deutsche, österreichische und Schweizer Kunst des 19. Jahrhunderts an der Albertina, stellt den Künstler vor und erläutert seine Zeichnungen zur Divina Commedia, die zu den bedeutendsten Dante-Illustrationen überhaupt zählen.

    Begrenzte Teilnehmer_innenzahl
    Anmeldung nicht erforderlich
    Gratis mit gültigem Eintrittsticket, Dauer ca. 1 Stunde


    Ausstellungsführungen
    mit Kunstvermittler_innen der Kunstsammlungen der Akademie der bildenden Künste Wien

    Donnerstag, 24. Oktober 2019, 16.30 Uhr mit Sophie Rosenberger
    Samstag, 9. November 2019, 16 Uhr*
    Sonntag, 10. November 2019, 16 Uhr*

    Begrenzte Teilnehmer_innenzahl
    Anmeldung nicht erforderlich, Tickets zu 3 € (exkl. Eintritt), Dauer ca. 1 Stunde
    * Im Rahmen des »Wochenendes der Graphik«:
    Eintritt und Führung gratis



    Kuratorinnenführung
    mit Julia M. Nauhaus, Direktorin von Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Glyptothek der Akademie der bildenden Künste Wien

    Donnerstag, 5. Dezember 2019 ABGESAGT
    Freitag, 10. Jänner 2020
    jeweils um 16.30 Uhr

    Begrenzte Teilnehmer_innenzahl
    Anmeldung erforderlich unter +43 (0)1 58816 2201 oder gemaeldegalerie_anmeldung@akbild.ac.at
    Tickets zu 3 € (exkl. Eintritt), Dauer ca. 1 Stunde
    Änderungen vorbehalten.


    Hier steht das Programmheft zur Ausstellung als Download für Sie bereit.

    Bild: Joseph Anton Koch, Der Eintritt durchs Höllentor, Dante: Göttliche Komödie, Inferno, 3. Gesang, um 1803 Feder in Braun über Bleistift © Kupferstichkabinett der Akademie der bildenden Künste Wien