Die "Gräflich Lambergsche Gemählde-Gallerie an der Akademie der schönen bildenden Künste in Wien

Die "Gräflich Lambergsche Gemählde-Gallerie an der Akademie der schönen bildenden Künste in Wien" Die Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien ist noch heute räumlich wie organisatorisch in die Kunstuniversität integriert. Sie stellt sich als "pinacoteca" dar, also als eine reine Gemäldesammlung. Mit ihrem Bestand von fast 1600 Gemälden vom Spätmittelalter bis ins ausgehende 20. Jahrhundert verfügt sie über zahlreiche Spitzenwerke der europäischen Malerei-geschichte. Die rund 300 Bilder umfassende Schausammlung präsentiert davon die alten Meister vom 15. bis ins 19. Jahrhundert.

Einige historische Weichenstellungen in ihrer Sammlungsgeschichte seien im Folgenden angeführt: Die Akademie hat selbst nie aktiv gesammelt; ihr Kunstbesitz, ob nun die Zeichnungs- und Graphiksammlung, die Glyptothek oder die Gemäldegalerie, kam zu einem Großteil als Schen-kungen an das Haus. Auch die Gemäldegalerie stellt in ihrer Gesamtheit die Summe zahlloser mäzenatischer Akte dar.

Ein allererster Kunstbesitz kam als Begleiterscheinung der Aufnahmemodalitäten an der Akademie zusammen: Wer Mitglied werden wollte, hatte seine künstlerische Befähigung durch das Ein-reichen einer künstlerischen Arbeit nachzuweisen; bei Aufnahme in den Kreis der Akademiemit-glieder blieb das "Aufnahmewerk" im Besitz der Akademie. Zweck der Übung war, über die Jahre eine Paradigmensammlung zusammenzubekommen, die künstlerische Potenz und Entwicklung der Wiener Akademie widerspiegelte und die gleichzeitig als Vorbildersammlung für und im Unter-richt genutzt werden konnte.

Dass die Wiener Akademie jemals über eine überregional bedeutende museale Einrichtung verfügen würde, ist ihr ohne eigenes Zutun passiert. 1822 ging die letzte große, in Wien zusammenge-tragene Privatsammlung als Schenkung in ihren Besitz über: Anton Franz de Paula Graf Lamberg-Sprinzenstein hatte seine gegen achthundert Bilder umfassende Gemäldesammlung im Todesfall der Akademie der bildenden Künste vermacht.

Bis zu ihrer Übersiedelung in das neue Akademiegebäude am Ring nennt sich dieses neue Kunstmuseum an der Akademie auch die "Gräflich Lambergsche Gemählde-Gallerie an der Aka-demie der schönen bildenden Künste in Wien". Damit war der Charakter der Kunstsammlung als reine Gemäldegalerie definiert.

Die Akademie konnte sich nicht nur eines der bedeutendsten Kunstbesitze in der Donaumonarchie erfreuen, sie sah sich auch mit Problemen konfrontiert. Denn es hieß, allein die schiere Fülle der Schenkung zusammenzuhalten, zu pflegen und auszustellen. Lambergs treibende Motive für sei-ne Schenkung an die Akademie lagen im Wunsch eines jeden großen Sammlers, sein Lebens-werk als Denkmal einer großen Sammelleistung beisammen zuhalten. So wünschte sich Lamberg seine Sammlung in unmittelbarer Nachbarschaft zur kaiserlichen Gemäldegalerie im Schloss Bel-vedere aufgestellt und von den Kustoden der kaiserlichen Sammlung mitbetreut. Dass Lamberg sie nicht gleich dem Erzhaus vermachte lag daran, dass er seine Sammlung auch weiterhin unter seinem Namen geführt haben wollte, was bei Einverleibung in den kaiserlichen Besitz nicht mög-lich gewesen wäre. Lamberg wünschte auch, dass seine Gemälde einem möglichst breiten Publi-kum zugänglich sein sollten.

Im Grunde verwundert es aber nicht, dass den Wünschen des Stifters nicht immer Rechnung ge-tragen werden konnte, zu groß waren die Probleme für die Akademie: Die Sammlung kam nie zur Aufstellung im Belvedere, sondern wurde in die Akademieräumlichkeiten - damals im Wiener Or-denshaus der Jesuiten - integriert; der Übergang von Schauräumen zu Unterrichtsräumen war fließend. So prägte auch die erste Galerieordnung, die zwanzig Jahre nach des Stifters Tod erlas-sen wurde, das weitere Schicksal der Akademiegalerie bis in unsere Tage: Sie schreibt das Auf-gabenfeld der Galerie fest, das ausschließlich in der unterstützenden Rolle der Galerie im Kunst-unterricht liegt.

Die Lambergsche Sammlung wurde somit zum höchstrangigen Vorlagenmaterial für die Ausbil-dung in den Maltechniken, die man auf dem Weg des Kopierens zu vermitteln trachtete. Diese Aufgabendefinition begleitet die Akademiegalerie bis in unsere heutige Zeit. Ihren sinnfälligen Ausdruck fand sie in der räumlichen Integration im ersten Stock von Theophil Hansens Akademie-neubau und in der legistischen Einordnung als eine der Lehre dienende Hilfseinrichtung neben Bibliothek und anderen Studieneinrichtungen.
 

Eine Überprüfung der Aufgaben der Galerie stand allerdings in dem Moment an, als sich die traditionellen Unterrichtsziele und Vermittlungsmethoden im akademischen Kunstunterricht radikal veränderten. Heute sind es die musealen Aufgaben, denen wir mit Blick auf die ursprünglichen Absichten des Stifters Graf Lamberg unsere Hauptaufmerksamkeit widmen: Dem interessierten Besucher die entsprechende Infrastruktur, der glanzvollen Sammlung den würdigen Rahmen zu geben, um hier in einer lebendigen Kunstakademie auch die Zeugnisse künstlerischer Kreativität vergangener Zeiten präsentieren zu können: Zum Studium, aber auch zum reinen Vergnügen an Malerei.